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Werbung ist die “bewußte, zweckgerichtete Beeinflussung von Menschen, die der zielgerichteten Durchsetzung politischer, kultureller und wirtschaftlicher Interessen dient und alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringt. [...]
Dabei sind Charakter, Ziel und Mittel der Werbung grundsätzlich abhängig von der jeweiligen Gesellschaftsordnung.
Im Kapitalismus artet die Werbung in marktschreierische, täuschende und kostspielige Reklame aus, die zur bedenkenlosen Konsumentenmanipulierung genutzt wird, rigoros eingesetztes Mittel im Konkurrenzkampf ist und letztlich der Profitsicherung dient.
Im Sozialismus muß die Werbung den Erfordernissen und dem realen Leistungsvermögen der Volkswirtschaft entsprechen, die Erfüllung der Volkswirtschaftspläne sichern, in ihrem Aussageinhalt umfassend und wahrheitsgetreu informieren, dem Konsumenten eine zweckmäßige Warenauswahl erleichtern und zur Sicherung sozialistischer Verbrauchsgewohnheiten beitragen.”1

Einerseits wurden Ladenhüter angepriesen, andererseits Güter beworben, die im Vergleich zu anderen Produkten reichlich vorhanden waren (“NIMM EIN EI MEHR”). Beworben wurden jedoch nicht nur Produkte, sondern auch Verkaufsstätten.

Werbung erstreckte “sich auf die Schaufenstergestaltung, Prospekte, Anzeigen, Werbediapositive, Plakate, Leuchtschriften, Werbefilme, Werbereisen usw. Lange hat die DDR gezögert, W. auch im Fernsehen zuzulassen. 1962 wurde mit einer Sendezeit von jährlich 20 Stunden begonnen, 1975 nahm das [...] Werbefernsehen 144 Stunden in Anspruch.”2 Das Werbefernsehen wurde später wieder abgesetzt. Gründe hierfür waren u.a. Bedenken, daß Werbung ein Merkmal der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sei. Die DDR verstand sich nicht als eine Konsumgesellschaft, sondern vielmehr als eine Kulturgesellschaft.3 Konsum sollte die Grundbedürfnisse befriedigen, nicht aber Ausdruck einer auf Profit ausgerichteten Gesellschaft sein. Somit kollidierte die Notwendigkeit, die Kaufgewohnheiten der Bürger auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten auszurichten mit dem Anspruch, den Sozialismus als ein System erscheinen zu lassen, daß den Bedürfnissen der Menschen ebenso bzw. besser  gerecht werden sollte als die kapitalistische Wirtschaftsweise. Darüber hinaus war Werbung nicht nur wirtschaftlich notwendig, sondern auch ein Meßinstrument für die Wirtschaftskraft der DDR.

Fußnoten:

1Meyers Neues Lexikon, 2., völlig neu erarb. Aufl in 18 Bänden, Bd. 15, Leipzig 1977, S. 149, sv. “Werbung”.
2Enzyklopädie der DDR, Berlin 2000, S. 6989, sv. “Werbung”. (Digitale Bibliothek, Bd. 32)
3Merkel, Ina, Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR, hrsg. v. Institut für Europäische Ethnologie und von der Landesstelle für Berlin-Brandenburgische Volkskunde der Humboldt-Universität durch Wolfgang Kaschuba, Rolf Lindner, Peter Niedermüller und Leonore Scholze-Irrlitz, Köln/ Weimar/ Wien, 1999, S. 12. (Alltag & Kultur, Bd. 6)